Simple Beginner’s Burmese

Posted by on Okt 24 2016 | Burma/Myanmar

Here is a simplified introduction to Burmese grammar for beginners I wrote a long time ago:

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Wörterbuch-Projekt Myanmar-Deutsch

Posted by on Sep 07 2015 | Burma/Myanmar

Seit Jahren beschäftigt mich von von Zeit zu Zeit immer mal wieder ein Wörterbuch-Projekt, von dem ich im Folgenden einige Aspekte vorstellen möchte.

Nach mehr als 25 Jahren Arbeit veröffentlichten Annemarie und Otto Esche im Jahre 2011 ihr großes gemeinsames Lebenswerk, das 1000-seitige Wörterbuch Deutsch-Myanma mit 70.000 Einträgen, das erste seiner Art überhaupt. Dem frühen Beginn der Kompilation noch zu DDR-Zeiten ist es geschuldet, dass dieses Buch auf einem Atari-Computer im Textverarbeitungsprogramm Signum!2 geschrieben und bis heute elektronisch nur in diesem Format existiert. Auch der burmesische Font wurde von Dietmar Gellermann speziell für das Buch entwickelt.

Schon während der Endkorrektur des Buches durch meine ehemalige Burmesisch-Dozentin Uta Gätner stellte sich das unflexible Textformat als schwerwiegendes Hindernis bei jeder Korrektur oder Hinzufügung heraus. Zu jener Zeit ließ ich mir von ihr eine der Original-Atari-Dateien schicken und begann das rätselhafte Format Byte für Byte zu entschlüsseln. Die ferne Hoffnung war, das Buch in ein heute computerlesbares Format zu konvertieren.
Etwa zur selben Zeit kam uns die Idee auf der Grundlage des 1976 im Verlag Enzyklopädie Leipzig erschienenen, lange nicht mehr erhältlichen Wörterbuches Birmanisch-Deutsch sowie des neuen Materials ein neues Wörterbuch Myanmar-Deutsch herauszubringen. Ein entsprechender Antrag auf finanzielle Unterstützung beim Auswärtigen Amt wurde damals jedoch abgelehnt. Unter dieser Voraussetzung konnte ich mich nicht dazu bringen, das alte Wörterbuch abzutippen. Allerdings wurde dadurch meine Motivation gestärkt, an der Entschlüsselung des Signum-Codes weiter zu arbeiten. Wenn es möglich war, den Text zu rekonstruieren, war es vielleicht auch möglich die Struktur automatisch zu erkennen und so die Informationen direkt in ein Datenbank-kompatibles Format zu bringen. Hatte man irgendwann diese Datenbank, könnte man dann mit Hilfe eines zu schreibenden Computerprogramms das Ganze umkehren und somit den Grundstock für ein Wörterbuch Myanmar-Deutsch erzeugen. Allein der letzte Schritt ist schon ein abenteuerliches Unternehmen mit unklarem Ausgang, aber verglichen mit der nötigen Vorarbeit würde das ein Kinderspiel sein.

Mein Plan war also:

  1. Entschlüsselung der Textkodierung in Signum!2
  2. Automatische Erkennung der logischen Eintragsstruktur
  3. Datenbank-Migration
  4. Elektronische Umkehrung (Reversal)
  5. Lexikografische Bearbeitung des automatisch erzeugten Wörterbuchs

Von keinem dieser Schritte konnte ich im Voraus sagen, dass er mir, bzw. überhaupt prinzipiell möglich sein würde.

Das Rätsel von Signum!2

Die Aufgabe war es also, einen Text zu parsen, von dem ich noch nicht mal die Kodierung kannte. Zunächst, und für lange Zeit, sah das ganze für mich sehr kryptisch aus:

Bsp.

Links die Signum-Datei im Binärmodus; rechts das zugehörige Druckbild

Wesentliche Schwierigkeiten bei der Texterkennung waren zunächst, dass in Signum vier verschieden kodierte Zeichensätze benutzt wurden, und dass es keine Leerzeichen gibt, sondern (wie mir erst später klar wurde) der Pixelabstand zum vorhergehenden Zeichen zusammen mit dem Zeichen kodiert ist. Es ließ sich nach mehr als zwei Jahrzehnten auch niemand mehr auftreiben, der über die bitweise Kodierung von Signum Auskunft geben konnte.

Ohne jegliche Erfahrung oder fachkundige Hilfe, sah ich keinen anderen Weg, als mich langsam schrittweise vorwärts zu tasten.

Die Zeichenkodierung in Signum!2 unterscheidet sich offensichtlich bei den vier Schriftarten – zwei werden mit zwei Byte verschlüsselt, die anderen in vier.

4 Byte-Kodierung, z. B.: 01 62 40 07

  • 1. Byte: (Bit 1) zeigt an, dass es sich um eine 4 Bit-Kodierung handelt.
  • 2. Byte: Zeichenkodierung (hier ASCII-Code 62 für das Zeichen „b“)
  • 3. Byte: (Bits 5 und 6) unterscheidet die beiden 4 Byte-Schriftarten.
  • 4. Byte: Pixelposition relativ zum vorhergehenden Zeichen. Für größere Abstände werden die niedrigen vier Bits im Byte 3 verwendet.

2 Byte-Kodierung, z. B.: 87 67

  • 1. Byte: Kodiert Schriftart (Bit 1 und Bit 8) und Pixelposition relativ zum vorhergehenden Zeichen. (Bei größeren Abständen werden zwei zusätzliche Bytes vorgeschaltet, wobei das erste dann 00 ist.)
  • 2. Byte: Zeichenkodierung

Mit Hilfe eines alten Tastaturlayouts gelang es, die Kodierung der burmesischen Schrift zu entschlüsseln.

Burmesischer Signum-Font

Burmesischer Signum-Font

Jedoch ist auch die Umwandlung eines solchen Schriftsatzes in komplett anders kodiertes Unicode, wofür man die einzelnen Silben erkennen muss, ein nicht ganz simpler Vorgang.

Zum Glück ließen sich von Anfang an die einzelnen Haupteinträge aufgrund der fehlenden Einrückung recht leicht identifizieren. Und schon bald stellte sich heraus, dass es bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich möglich war, anhand der Schriftarten (fett, kursiv usw.) sowie bestimmter Sonderzeichen auch die Art der einzelnen Angaben in einem Eintrag automatisch zu erkennen.

Das Spaltenproblem

Als ich nach mehreren Monaten Arbeit, verteilt über ca. anderthalb Jahre, endlich eine erste Version meines Konversions-Programmes am laufen hatte, wollte ich dies zum ersten Mal über die Gesamtheit der Daten laufen lassen. Bis dahin hatte ich nur an einer Beispiel-Datei mit Anfangsbuchstabe A gearbeitet. Aber was ich nun entdeckte, kam als ein ziemlicher Schock. Meine Test-Datei war einspaltig gewesen; die Endversion des Wörterbuchs existierte jedoch nur in Dateien mit zweispaltigem Schriftsatz. Wie sich herausstellte, war dieser Spaltensatz selbst im Original-Signum-Programm nicht rückgängig zu machen. Wie oben in der Binärkodierung ersichtlich, folgte also auf das jeweils letzte Zeichen einer Zeile in der ersten Spalte direkt das erste Zeichen in der zweiten Spalte. Die Einträge waren also Zeile für Zeile bunt durchmischt. Ich war tatsächlich so weit gekommen, ohne die Kodierung der Zeichenpositionierung wirklich komplett verstanden zu haben. (Deshalb hatte ich mich auch nicht gewundert, wie das zweispaltige Druckbild des Buches zustande gekommen war.)

Um mein Programm nicht noch komplexer zu machen, entschied ich mich ein neues Programm zu schreiben, das mir aus den zweispaltigen Dateien wieder einspaltige Dateien macht. Dazu musste ich erkennen, wo genau die erste Spalte zuende war. Allein der größere Zeichenabstand war kein Kriterium, denn durch den Blocksatz kamen auch innerhalb einer Spalte größere Abstände vor. Ich addierte deshalb also die Einzelabstände der Zeichen, und wenn die Summe der Pixel nach einem in Frage kommenden Abstand groß genug war, wusste ich dass die Spalte zuende war. Im Großen und Ganzen war das kein Problem. Allerdings kamen in einigen Sonderfällen (insbesondere bei nachträglichen Änderungen in der Endkorrektur des Buches) Fehler vor, von denen ein einziger alles durcheinanderbringen konnte. Zur Kontrolle erzeugte ich Bilder wie dies (das Kauderwelsch ist Burmesisch):

1: (324p) ab1.AdvTheat(geht)v�[:Os;aufund
2: (3) ti�
1: (315p) …q�y�…q�y�;auf-undsteigentk�q�y�<C:q�y�;
2: (27) Abbestellungf17abbestellen
1: (315p) undzuts�q�tOlts�q�ts�q�ts�q�ts�j�lit,
2: (40) abbiegen32avt(famf@rverhindern)t[:<�:;

Danach konnte ich mein ursprüngliches Programm über die neu zusammengefügten Dateien laufen lassen. Das Ergebnis waren XML-Dateien wie diese:

 <Entry LemmaSign=“Abart“ LemmaDisplay=“A̲bart“ PartOfSpeech=“f“ Deklination=“17″ >
<Sense>
<TE TE=“ပုံစံကွဲ“ />
<TE TE=“မူကွဲ“ />
</Sense>
<Sense Domain=“Biol“ >
<Meaning Meaning=“Art“ />
<TE TE=“မျိုးစိတ်“ />
</Sense>
</Entry>

Das Problem war also im Wesentlichen gelöst. Allerdings blieben bei der ungeheuren Menge an Daten Fehler natürlich nicht aus, und ich brauchte noch einmal mehrere Wochen, bis das ganze Wörterbuch als fehlerfreies XML vorlag. Das war ungefähr Mitte 2014.

Die Datenbank und die Umkehrung

Ich hatte mich entschieden, die weitere Bearbeitung mit dem Wörterbuch-Programm TLex der südafrikanischen Firma TshwaneDJe durchzuführen. Dieses erlaubt das Importieren von XML-Dateien, ermöglicht eine Datenbank-Anbindung und hat eine automatische Reversal-Funktion. Letztere stellte sich in der Praxis allerdings als eine Enttäuschung heraus, da fast alle Information bis auf die jeweiligen Equivalente verloren gingen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als die Umkehrung selbst zu programmieren. Hierbei kamen mir meine SQL-Erfahrungen zur Gute, die ich bei der Programmierung für meinen ehemaligen Online-Shop gewonnen hatte.

Allerdings erwies sich auch dieser Prozess als technisch komplizierter als ursprünglich gedacht. Meine SQL-Datenbank erlaubte keine direkte externe Verbindung, und auf meine lokalen Datenbank konnte ich keine PHP-Skripte laufen lassen. Also waren auch hier mehrere Im- und Exporte notwendig. Aber der große Augenblick war nun endlich gekommen, wo ich erstmals das ganze Buch in einer Datenbank hatte. (Ein seltsames Gefühl, nach so langer Zeit und großen Anstrengungen das Ziel zu erreichen und damit völlig allein zu sein.) Technische Schwierigkeiten würde es jetzt nicht mehr geben, und man würde ohne großen Aufwand alles mit den Daten machen können, was man wollte.

Wie es weiter geht

Das Ergebnis des Umkehrprozesses ist von überraschender Qualität. Im nächsten Schritt geht es nun darum, dieses per Hand zu editieren und ein vollwertiges Wörterbuch daraus zu machen. Die lexikografische Arbeit beginnt also erst.

Beispiel des Ergebnisses nach ein wenig Editieren

Beispiel des Ergebnisses nach ein wenig Editieren

Bei vielen Wörterbüchern wäre das Ergebnis einer automatischen Umkehrung recht problematisch. Es gibt jedoch einige Besonderheiten des Esche-Wörterbuchs, die dieses Vorhaben begünstigen:

  • Das Wörterbuch ist aus einer Sammlung von Wörtern und Wendungen entstanden, die der Nationalität der Autorin wegen oft vom Myanmarischen ausging. Sie hat oft sehr gute deutsche Equivalente dafür gefunden.
  • Die Unterscheidung der verschiedenen Bedeutungen eines Wortes wurde sehr klar definiert. (Deren Bedeutung für den Umkehrungsprozess lasst sich kaum überschätzen.)

Die Fülle des Materials (ca. 85.000 Einträge) lässt jedoch eine Print-Veröffentlichung des gesamten Buches noch in weite Ferne rücken. Meine mittelfristigen Ziele sind deshalb die Veröffentlichung eines Taschenwörterbuchs Myanmar-Deutsch sowie eine ständig zu editierende elektronische Version im Internet, eventuell mit einer App für Smartphones.

 

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Come fly with me

Posted by on Sep 06 2015 | Musik

I can’t help but sharing this. Just love this song and love this performance even more.

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Pathway to Happiness

Posted by on Sep 05 2015 | Psychologie

I guess this is only for people not entirely happy with their life (and for those comfortable listening to English.)

I am not quite sure whether self-therapy is at all possible, but here is a guide I really want to recommend: Gary van Warmerdam’s Awareness and Consciousness Program on Pathway to Happiness.com. There is an amazing number of free podcasts dealing with a range of problems. His approach is to discover and then dissolve the illusory beliefs underlying our thoughts and feelings that are at the heart of most emotional problems. There is a lot of material here, but I really recommend the podcasts. I feel listening to Gary, as he talks to us with genuine dedication, is much more direct and effective than reading any book. (For a happy outlook, I especially love the interview with Holly.)

This work was inspired, by the way, by his spiritual teacher, the Mexican author of the book The Four Agreements. Simple as they sound, the agreements he suggests as foundation of a happy life (Be impeccable with your word. Don’t take anything personal. Don’t make assumptions. Always do your best.) are of deep wisdom. In reality we are, almost by design, caught up in a huge net of assumptions, and we habitually take almost anything personal, starting from the weather. It is obvious that we create our own misery, but our ego vehemently resists any change. Ruiz invites us to see the world with different eyes and eventually awake from the dream we are in. Van Warmerdam shows us the practical steps to take towards that aim.

—————–

Dieser Hinweis ist nur für Leute, die nicht ganz glücklich sind mit ihrem Leben (und die kein Problem mit Englisch haben.) Ich weiß nicht, inwieweit Selbsttherapie möglich ist, aber hier wird ein möglicher Weg aufgezeigt: Pathway to Happiness.com. Gary van Warmerdan hat in seinem „Awareness and Consciousness Program“ eine große Zahl Podcasts von beeindruckender Tiefe zusammengestellt. Im Kern geht es dabei um das Erkennen und die Auflösung der unserem Denken und Fühlen zugrundeliegenden Illusionen. Das lässt sich auf praktisch alle Probleme anwenden wie mangelndes Selbstbewusstsein, Ängste, Wut, Beziehungsprobleme, Süchte u.a. Er verkauft dort auch sein Buch, aber ich glaube, ihm zuzuhören ist viel wirksamer als das Lesen irgendeines Buches, denn hier spricht jemand mit viel Symphatie direkt zu uns.

Inspiriert wurde er übrigens von Miguel Ruiz, dem mexikanischen Autor des Buches „The Four Agreements“ (dt: Die Vier Versprechen).  Die darin vorgeschlagenen Prinzipien -Sei wahrhaftig mit deinen Worten, Nimm nichts persönlich, Mache keine Annahmen und Tue stets dein Bestmögliches- klingen etwas simpel, sind aber von tiefer Weisheit. Und sie stehen vielen unserer (impliziten) Glaubenssätze entgegen. Ruiz läd uns ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Van Warmerdam zeigt uns, wie wir die Veränderungen praktisch vollziehen und somit unser Leben verbessern können.

 

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(Nicht-)Rauchen

Posted by on Sep 02 2015 | Psychologie

Das mehr oder weniger Offensichtliche

Aus meiner Sicht gibt es ein paar grundlegende Erkenntnisse zum Thema Rauchen, zu denen jeder selbst finden muss. Meine sind:

  • – Rauchen ist selten ein wirklicher Genuss.
  • – Rauchen ist eine oberflächlich betrachtet ziemlich sinnlose Handlung.
  • – Man ist nicht wirklich glücklich damit, sich ständig wie automatisch eine neue Zigarette anzünden zu müssen.
  • – Rauchen hat eine unterschwellig selbstzerstörerische Komponente.
  • – Als Raucher sagt man sich, mehr oder weniger bewusst, Nichtraucher sind uncool und genussfeindlich, und Raucher sind irgenwie die netteren Leute. Wenn ich aufhöre zu rauchen, gehöre ich vielleicht nicht mehr zu den „Guten“. (Jede Handlung hat irgendwelche Vorteile. Diese soziale Komponente ist so einer.)
  • – Man hört es ungern, aber Rauchen ist wie andere Süchte in einem bestimmten, tieferen Sinne Ausdruck einer oft unbewussten inneren Unzufriedenheit. (Ich werde das weiter unten ausführen.)
  • – Positiver ausgedrückt könnte man auch sagen, Rauchen ist Ausdruck eines irrgeleiteten, tiefen Wunsches nach Leben.

Selbstreflektierten Rauchern ist dies alles bewusst.

Auf der zweiten Stufe geht es um die psychologischen Mechanismen.

Es gibt Hypnoseverfahren zur Rauchentwöhnung. Die erste Erkenntnis, die einem dort bewusst gemacht wird, könnte sein, dass wir die meiste Zeit unseres Lebens in einem Zustand der Selbsthypnose verbringen, natürlich ohne es zu merken: Die Welt um uns, sowie viele unserer körperlichen, emotionalen und geistigen Prozesse passieren, und wir können nur auf eine bestimmte, sehr begrenzte Art darauf reagieren oder Einfluss nehmen. (Wenn man sich hinsetzt und analysiert, was die Dinge, über die wir glauben, dass wir einen Einfluss darauf haben, eigentlich von denen unterscheidet, über die wir glauben, keinen Einfluss zu haben, merkt man, auf wie dünnem Eis unser Weltbild steht.) Wir merken kaum, wie sehr unser Denken, Fühlen und Handeln von tiefsitzenden Glaubenssätzen bestimmt, die oft bei genauerer Betrachtung einer Prüfung nicht standhalten.

Die Story, oder die gefühlte Wirklichkeit

Die gängige Sicht geht so: Ich bin eben süchtig, mein Körper braucht das, ich kann das nicht kontrollieren, und Aufhören ist extrem schwierig, ein fast unmenschlicher Willensakt, der die lebenslange Gefahr nach sich zieht, irgendwann „rückfällig“ zu werden. Wenn man das glaubt, ist es nicht verwunderlich, dass man es am besten gar nicht erst versucht. Ich weiß, das ist die real gefühlte Wirklichkeit des Rauchers, und es ist das, was die Gesellschaft uns „bestätigt“. (Wahrheit als soziales Konstrukt.) Aber das heißt nicht, dass es wahr ist. Ich schlage deshalb als Alternative vor, die tatsächlich ablaufenden Prozesse ehrlich zu analysieren. Wenn sich der Wille dazu nicht aus den oben aufgeführten Gedanken ergibt, bliebe als Motivation vielleicht immer noch Selbsterforschung, quasi wissenschaftliche Neugier.

Ein Paradoxon, das scheinbar keinen wundert

Betrachten wir also einmal genauer, was passiert. Die Story geht: Mein Körper braucht das Nikotin, deshalb kann ich (mein Körper?) nicht anders, als eine Zigarette anzünden, selbst wenn ich es nicht will. Und so fühlt es sich natürlich an. Aber hält so eine Aussage einer Untersuchung stand? Wie viele versteckte Gedanken müssen zwischen dem Reiz und der Handlung ablaufen, wenn wir uns als Menschen und nicht als Tiere betrachten? (z.B. Reiz – Gedanke – Gefühl – Gedanke – Handlung.) Ich denke, es ist wirklich wichtig, die emotionale Schwelle, diese Überlegung durchzuführen, zu überwinden.

Der Schritt zurück, oder die Frage des Standpunktes

Die Kernfähigkeit bei dem ganzen Prozess wird es sein, sich von der Automatismus-Position zu dissoziieren, gewissermaßen von sich selbst  für einen Moment zurückzutreten und eine quasi neutrale Beobachterposition einzunehmen. Diese Fähigkeit muss man vielleicht erst einmal üben. Manchen mag sie sogar seltsam erscheinen. Aber ist dies nicht letzendlich eine grundlegende Fähigkeit, die uns als Menschen vom Tier unterscheidet. Das Schöne ist, dass es sich dabei um eine Fähigkeit handelt, die man praktisch ständig üben kann und die in vielen problematischen Situationen sehr hilfreich sein kann.

Ich schlage vor, über den Tag verteilt immer mal wieder diesen Schritt zurück zu machen, sich von seinen augenblicklichen Gedanken und Gefühlen zu lösen und nur bloße Wahrnehmung zu sein, ohne jegliche Bewertung. Oft ist es dabei hilfreich, auf den Atem zu achten. In Momenten größerer Agitation kann das schwierig sein. Deshalb empfehle ich zunächst Gelegenheiten, in denen nicht unbedingt etwas zu tun ist, z.B. im Bus oder in der S-Bahn, beim Autofahren oder, wenn man irgendwo wartet. (Nebenbei bemerkt: Warten ist oft so ein typischer Moment der inneren Unruhe und Unzufriedenheit. Deshalb: Ich „muss“ nicht warten, ich warte einfach, ich bin. Ich atme tief durch und: Alles ist gut.) Ein anderer günstiger Zeitpunkt könnte eine kleine Pause wärend der Arbeit sein. Vielleicht wird dieser kurze Moment des Innehaltens eine Idee von innerer Ruhe und/oder sogar einen regelrechten Glückszustand erzeugen. Ich empfehle, solche kleinen Mini-Meditationen immer mal wieder zwischendurch einzuschieben, vielleicht auch direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen. Es ist erstaunlich, wieviel Energie so ein kurzer Moment geben kann.

Kleiner Einschub zur Meditation

Wenn wir diesen Zustand einmal bewusst für ein paar Sekunden gespürt haben, wollen wir ihn vielleicht langsam ab und zu etwas verlängern. Dabei werden schon nach kürzester Zeit wie von selbst und ungerufen irgendwelche Gedanken aufkommen. Das ist völlig normal und okay. Wir sollten diese nicht unterdrücken, uns nicht zwingen, nichts zu denken, sondern ihr Erscheinen einfach nur beobachten und sie gleich wieder ziehen lassen und zum Atem zurückkehren. Für mich ist das Schöne und Befreiende daran nicht zuerst der angestrebte Zustand der Gedankenfreiheit, sondern die annehmende und liebevolle Haltung, mit der wir den aufkommenden Gedanken, und damit uns selbst dabei begegnen. Für manch einen mag sich das wie esotherisches Gesülz anhören, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man merken, dass wir etwas Wichtigem und Grundlegenden auf der Spur sind. (Ende des Einschubs und zurück zum Thema…)

Der Anfangsimpuls

Im ersten Schritt untersuche ich das Aufkommen jenes Impulses, dass es Zeit für eine Zigarette ist. Ich gehe sofort in eine Beobachterposition und distanziere mich somit von dem Impuls und möglichen Reaktionen. Ich beobachte, was genau den Impuls ausgelöst hat. Das kann ein Gedanke, ein Bild oder ein Gefühl sein, wichtig ist, dass wir uns der Nichtigkeit bewusst werden. Ich atme durch und lasse den Impuls ziehen. Wenn ich nicht gerade unter starkem Stress stehe, merke ich vielleicht, dass schon im nächsten Augenblick der Impuls, und damit der womöglich aufkommende Wunsch wieder verschwunden ist. Zumindest für einen Moment. Diese Beobachtung kann ich immer wieder durchführen. Vielleicht gelingt es bald, den Impuls mehrmals hintereinander kommen und gehen zu sehen. Irgendwann wird es uns aber „übermannen“, und das ist dann auch okay. Wir sind nicht in einem Wettbewerb der Willensstärke, sondern in einer psychologischen Untersuchung.

Eine mögliche Strategie könnte es nun sein, während bestimmter Perioden unseres Tagesablaufs dem Impuls nicht nachzugeben. Das setzt uns nicht unter allzu großen Druck, schärft die Sinne und erlaubt uns, uns an das Gefühl von Selbstbestimmtheit zu gewöhnen. Nach und nach könnten wir dann diese Perioden verlängern oder auf andere Zeiten ausdehnen. (Eine schöne Beschreibung dieses Prozesses habe ich hier gefunden: Audio (Mp3, englisch).)

Die Analyse

Bisher haben wir nur vom ersten Impuls geredet. Als nächstes könnte es hilfreich sein zu beobachten, was passiert, wenn wir dem dem Impuls, dem aufkommenden Wunsch und dem Autopiloten bewusst nicht nachgeben. Die in dieser Zeit aufkommenden Gedanken und Gefühle können ein Schlüssel zum Verständnis des Problems sein. Auch hier wird es wieder ziemlich paradox, denn die Tendenz der Gefühle in diesem Zustand geht interessanterweise in Richtung unerträglich. Aber warum genau wird dieser Zustand als unerträglich empfunden? – Wie gesagt, die scheinbar offensichtliche Antwort lautet, weil ich halt süchtig bin. Aber ich bleibe dabei, die damit als unausweichlich betrachtete Automatik kann einer tiefergehenden Analyse schon aus kategorischen Gründen nicht standhalten.

Wenn wir nun also genauer hinsehen, brauchen wir vielleicht eine Menge Courage, um die Entdeckungen akzeptieren zu können. Vielleicht sollte ich die Untersuchung erst einmal jedem selbst überlassen und nur in Richtung der Tendenz deuten. Im Kern hinter solchen Gefühlen und Handlungsketten werden meist tiefsitzende implizte Bewertungen (judgements) sein. Am offensichtlichsten ist wohl das bereits ganz oben erwähnte Raucher = positiv / Nichtraucher = negativ. Eine offensichtliche Möglichkeit ist daher: Um nicht als Idiot dazustehen, könnte ich mich mit der Sucht identifizieren. Ich sage dann, ich will ja rauchen, oder sogar, dass ich es genieße. Damit bin ich dann irgendwie sogar ein Winnertyp.

Aber wenn ich beobachte, was in dem Moment genau passiert, wenn ich entgegen dem eigenen Wunsch dem Verlangen letztendlich nachgebe, könnte die zugrundeliegende, ausschlaggebende Selbstbewertung auch genau das Gegenteil sein: Ich bin zu schwach, ich bin doch letztendlich ein Loser. Und seien wir ehrlich: Rauchen ist Selbstverleugnung, bewusst in Kauf genommene Selbstverletzung oder hat sogar eine Komponente von Selbsthass.

Aber selbst wenn wir das akzeptieren können, sollten wir uns dafür nicht verurteilen, sondern in der Analyse fortfahren. Woher kommt also das tiefe Unwohlsein beim Verzicht? (Oder -wieder schwer zu akzeptieren- woher kommt das damit verbundene Unwohlsein in unserem Leben?) Was fehlt? Und, kann das, was als fehlend empfunden wird, durch das Rauchen ersetzt werden? (Offensichtlich nicht.) Wovor haben wir Angst bei dem Gedanken, dass dieser Zustand andauern wird? – Genaugenommen ist nichts da, wovor wir Angst haben könnten außer dem Unwohlsein und der Angst selbst! Wir treten nun wieder den metaphorischen Schritt zurück, lassen alle assoziierten Gedanken (die Story) sein und erleben nur dieses eine Gefühl des undefinierten Unwohlseins allein. Wir stellen uns vor, dieses Gefühl für einen Moment zu akzeptieren. Denn dieses Gefühl sind wir selbst. Wir akzeptieren es also für einen Moment voll und ganz. Rupert Spira fragt in solchen Momenten, könntest du für den Rest deines Lebens mit diesem Gefühl leben? Und wenn du ehrlich zu dir bist, wirst du antworten: Ja. Vielleicht wirst du dies auch von ganzem Herzen bezweifeln. Vielleicht wird deine Theorie stärker sein. Aber ein Schritt ist gemacht, wenn wir das Geschilderte für einen Moment erleben und nachvollziehen konnten.

Die Suche nach dem wahrem Selbst

Wenn das alles absurd und unmöglich erscheint, könnte der Kern sein, einen Zustand zu erreichen, in dem man mit sich selbst ohne Wenn und Aber okay ist. Du bist es sowieso schon. Du musst es nur erkennen. Dann wird sich das Gefühl, dass irgendetwas fehlt, und das damit verbundene Unwohlsein leichter auflösen. Vielleicht braucht es dafür nicht unbedingt Psychotherapie. Ein Weg dorthin könnte z.B. mit der oben beschriebenen Meditation beginnen. Atme bewusst und erlebe dich als pure Wahrnehmung. Gedanken und Gefühle erscheinen in diesem Wahrnehmungsfeld und verschwinden alsbald wieder. Alles ist gut.

Da wir dazu wahrscheinlich eine Rationalisierung brauchen, gebe ich hier die Beschreibung des Prozesses von Rupert Spira wider. Er fragt dich, „Bist du bewusst?“ Beobachte, wie du für einen Moment in dich gehst, um diese Frage zu beantworten. Die Antwort lautet offensichtlich ja. Wohin musstest du für diese Antwort gehen? Wir werden uns bewusst, dass keine Gewissheit uns so nahe und unmittelbar ist wie diese. Darin liegt das wahre Selbst. Das ist unser Kern – reine Wahrnehmung und reine Kreativität. Jeder kann das sehen. Nichts daran ist übersinnlich oder esotherisch. Alles weitere sind Stories, die wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben. Und es sind diese Stories, die uns leiden machen, die uns erzählen, dass irgendetwas noch nicht richtig ist oder dass uns irgendetwas fehlt. Aber es fehlt nichts.

Eine entwicklungspsychologische Sichtweise

Okay, wem dies trotzdem „zu spirituell“ erscheinen sollte, will ich vielleicht eine etwas andere Beschreibung andeuten. Wir alle wurden in einer Gesellschaft erzogen, die unser Selbst auf verschiedenste Weisen sanktionieren muss. Dieser Prozess wird im Allgemeinen Erziehung genannt. Als Kind sind wir dem mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Kein Wunder, dass dies in einem Haufen Fehlanpassungen resultiert, die uns oft als Handlungsmuster unser ganzes Leben erhalten bleiben, basierend auf einer Sammlung von Glaubenssätzen und Bewertungsmustern, die wir mehr oder weniger ungeprüft von unseren Eltern übernehmen. Dort liegt die Ursache für die meisten psychologischen Probleme. Im Allgemeinen werden diese als tiefsitzend und deshalb schwer behandelbar betrachtet. Aber ich habe das Gefühl, in unserer individualistischen Gesellschaft werden die Probleme vor allem durch die mit dem vorgestellten Wesen unserer Person assoziierten Stories stabilisiert. Was wir brauchen, ist eine Analyse und Erkenntnis der problematischen Glaubenssätze, mit denen wir uns selbst und die Welt bewerten, verbunden mit unbedingter, liebevoller Annahme der eigenen Person. Im Kern entspricht dieser Prozess der oben beschriebenen Meditation: 1) Ich bin nicht der, der ich glaube, ich bin. Und 2) Die Probleme sind nur auf der äußeren Schale, der Persona. Der innere Kern meines Wesens ist davon jedoch unberührt.

Mir ist bewusst, dass das zwar leicht gesagt, aber ein sehr schwer zu realisierender Prozess sein kann. Als zutiefst sozialen Wesen kann es sogar sein, dass es fast nur mit äußerer Hilfe möglich ist, sein Bild von sich selbst zu ändern. Zum Glück zeigt die Erfahrung vieler, dass es offensichtlich keine Psychotherapie benötigt, wenn man sich das Rauchen abgewöhnen will.

Vielleicht hast du dich sowieso schon gefragt, warum ich so viel Wert auf dieses Selbst lege. Was hat das mit dem Rauchen zu tun? – Nun das ist meine persönliche Sicht auf die Dinge. Trotzdem ich viele der oben erwähnten psychologischen Aspekte des Rauchens erkannt hatte, hatte ich trotzdem nicht die innere Kraft, mich entsprechend vernünftig zu verhalten. Aber just in dem Moment, als ich mich von ganzem Herzen angenommen hatte, passierte es auf einmal wie von selbst. Mit dem neuen Selbstgefühl hatte das Unwohlsein seine Macht verloren und das Verlangen war einfach weg. Dieses Erlebnis war so stark, dass ich wissen wollte, welche tiefere Wahrheit dahinter liegt. Das Ergebnis meiner Nachforschungen scheint mir recht allgemeingültig zu sein.

Fazit

Das hier Skizzierte zu erfahren und zu verstehen wird wahrscheinlich ein gradueller Prozess sein. Zu keinem Zeitpunkt müssen wir uns dabei einen Zwang auferlegen, außer dem des Innehaltens und der Selbstanalyse. Nimm dir so viel Zeit, wie du dazu brauchst. Du wirst immer seltener den Impuls verspüren zu rauchen. Vielleicht wirst du bald nur noch ab und zu den Anfangsreiz bemerken, aber der Impuls wird ausbleiben. Aber es sollte deutlich geworden sein, dass es irgendwann einen Punkt geben wird, wo es klick macht. (Zu deiner Beruhigung, falls es wirklich eine körperliche Abhängigkeit geben sollte, wird diese in drei Tagen überwunden sein.) Und vielleicht passiert auch mehr. Dann wirst du dich einfach nur gut und als Herr deiner selbst fühlen. Willenskraft ist dann kaum mehr notwendig. Es wird kaum noch eine Verlockung geben. Du wirst keine Angst haben, nicht vor einem Rückfall, und nicht davor, nicht mehr dazu zu gehören (bzw. dass dir andere Raucher mit der selben Befremdlichkeit begegnen könnten, die du früher vielleicht für Nichtraucher oder Aufhörer gehegt hast.) Du hast eine Position der inneren Stärke erreicht.

Viel Glück dabei!

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Rupert Spira und die Suche nach dem wahren Selbst

Posted by on Sep 01 2015 | Psychologie

Eine meiner schönsten und wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahre: Rupert Spira.

Wenn wir die Aufmerksamkeit darauf lenken, wer wir wirklich und vor allem sind, nämlich nicht (nur) der, für den wir uns gewöhnlich halten, lassen sich fast alle „Probleme“ des Lebens ertragen. Wir erkennen, dass das Selbst, an dem wir so hängen, die Ursache allen Übels ist. Das psychologische Selbst entsteht durch Abtrennung und als Gegenpart zur als äußerlich wahrgenommenen Welt. Unsere Haltungen zu letzterer, Anhaftung oder Widerstand, sind eine geradezu logische Konsequenz daraus. Solange wir uns von den resultierenden Gedanken und Gefühlen leiten lassen, werden wir immer wieder Schmerz, Verlangen und Unzufriedenheit empfinden. Wenn wir jedoch unser wahres Wesen im Nicht-Selbst erkennen, werden diese Gefühle wie von selbst verschwinden.

Diese simple Wahrheit wurde von vielen spirituellen Lehrern ausgedrückt, aber ich finde, kaum jemand vermag sie so überzeugend und bodenständig zu vermitteln wie Rupert Spira. Besonders hoffnungsvoll finde bei ihm, dass er nicht auf einen fast unmöglich zu erreichenden Erleuchtungszustand hinaus will, sondern glaubhaft vermittelt, dass wir in jedem Augenblick frei sind, wahre Zufriedenheit zu empfinden. Auf der anderen Seite betrachtet er negative Gefühle wie Unzufriedenheit, Unglücklichsein und Depression gleichsam als Klageruf nach dem Glück. Denn niemand will in so einem Zustand verharren, und doch erzeugen wir ihn gewissermaßen selbst, indem wir die Wahrheit über uns leugnen. Lieber halten wir an unserem eingebildeten Selbst fest, haben wir doch bisher quasi unser ganzes Leben darin investiert. Ich denke, vielleicht kann dieser Zustand nur durch echtes Leiden gelöst werden. Vielleicht ist das der Sinn des Leidens. Spira sagt,

Leiden ist für die Seele, was Schmerz für den Körper ist. Wenn du deine Hand ins Feuer hälst, ist der Schmerz keine Fehlleistung. Er wirkt zum Schutz deiner Gesundheit. Genauso entspringt dein Leiden aus deiner Sehnsucht nach dem Glücklichsein.

Eigentlich verdient fast jedes seiner Videos einen eigenen Beitrag, aber für den Moment will ich nur auf einige hinweisen, die relativ normale Probleme auf beeindruckende Weise erhellen.

Exploring Uncomfortable Feelings

Avoiding Uncomfortable Feelings through Activities

Going to the heart of an emotion

Es scheint mir mehr als der übliche Kulturpessimismus zu sein, wenn man konstatiert, dass der Drang nach Stimulation vor allem in der Form von Mediensucht heute die große Mehrzahl der Menschen befallen hat. Als Konsequenz scheinen Selbstbestimmung und damit Zufriedenheit und Glück zurückzugehen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das oben über das Leiden gesagte auch hier zutrifft, und dass deshalb vielen das Problem bewusst werden wird, und sie beginnen werden, sich bewusst davon zu befreien.

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Market Timing

Posted by on Sep 01 2015 | Finanzen

Eine sehr schöne und spielerische Illustration dafür, dass Market Timing an der Börse kaum Sinn macht. Simpler und billiger kann man es nicht lernen. Einfach zehn mal durchspielen.

Ein anderer Grund, sich nicht zu sehr um Einstiegszeitpunkte zu kümmern: Dort wird ausgerechnet, dass es aus heutiger, also sehr langfristiger Sicht einen relativ kleinen Unterschied macht, ob man direkt vor oder direkt nach dem Black Monday von 1987 investiert hätte. (Wobei es sich hier „nur“ um einen Kursrutsch von 20% handelte.) Ein Einstieg um das Jahr 2000 hatte sicherlich größere Konsequenzen, aber da handelte es sich ja auch um eine der selteneren, ganz offensichtlichen Blasen.

Dies soll nur dazu dienen, etwaiges Zögern zu verhindern, denn das allgemeine Prinzip ist ja sowieso regelmäßiges Investieren etwa gleich großer Beträge (Cost-Average-Prinzip).

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(Finanzielle) Unabhängigkeit

Posted by on Sep 01 2015 | Finanzen

Zufällig bin ich heute auf eine interessante Webseite (www.dividendmantra.com) zum Thema Sparen und Geldanlage gestoßen. Dort dokumentiert ein Mann namens Jason Fieber (geb. 1982) detailliert seinen Weg zu finanzieller Unabhängigkeit seit dem Jahr 2010. Die zwei Hauptsäulen seines Planes sind, nicht besonders überraschend, Sparen bzw. Budget-Kontrolle auf der einen Seite, sowie Anlage in Dividenden-zahlende Unternehmensaktien auf der anderen. Keinerlei Zauberformel, nur ein klarer Plan und etwas Disziplin. Jeder weiß heute, dass er etwas tun sollte, aber manch einer zögert, weil er nicht weiß, was er tun soll.

Bevor ich meine Gedanken zu dem Thema äußere, sind hier Jasons eindrucksvolle monatliche Dividendeneinkünfte. Natürlich wird nicht jeder so schnell Zahlen in dieser Höhe erreichen können, aber allein das Wachstum zu sehen, sollte Motivation genug sein. Kaum notwendig zu erwähnen, dass die Dividenden zusammen mit dem monatlichen Ersparten regelmäßig wieder angelegt werden.

Säule Nr. 1: Sparen

Der Unterschied zwischen gewöhnlichen und gewöhnlichen wohlhabenden Leuten liegt weniger auf der Einnahmen- als auf der Ausgabenseite. Das generelle Muster bei vielen Menschen ist, dass sie um so mehr ausgeben, über je mehr Einkommen sie verfügen. „Sparen hat ja sowieso keinen Sinn.“ Dabei ist genau das Gegenteil richtig. Bei höherem Einkommen nur um so mehr. Wenn man bei kleinerem Budget 10, 15 oder 20% sparen kann, könnten es bei höherem vielleicht 50% sein, und man hätte immer noch Spielraum für ein gewisses Mehr an Luxus.

Fast jeder gibt Geld für Dinge aus, die man nicht braucht, einfach aus Gedankenlosigkeit oder weil einen die Gesellschaft dazu animiert. Fragwürdiger Konsum ist zur Standardantwort auf unsere dauernde, (nicht immer nur) latente Unzufriedenheit in diesem Leben geworden. Jeder weiß, dass die Dinge, die wir kaufen uns nicht oder nicht sehr lange besser fühlen lassen, und doch fallen wir immer wieder auf diese Begehrlichkeiten herein. Habe das Selbstbewusstsein, deinen Lebensstandard unabhängig von deiner Umgebung zu bestimmen. Dabei muss man nicht genussfeindlich leben. An gutem Essen sollte man aus meiner Sicht z. B. nicht sparen. Protokolliere deine monatlichen Ausgaben und hinterfrage deren Notwendigkeit. Entscheide, was wichtig für dich ist, und richte dein Leben entsprechend ein. Es geht nicht darum geizig oder pedantisch zu sein, sondern um nicht weniger als deine Unabhängigkeit.
Unnötige Ausgaben könnten sein: Zigaretten, Zeitungen und Zeitschriften, Musik, Unterhaltung, Klamotten, elektronische Geräte, Neuwagen. Generell gilt, gib Geld lieber für Bildung und Erfahrungen als für Dinge aus.

Wenn du denkst, du verdienst zu wenig um etwas zu sparen, könnte ein Schritt sein, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen oder sich einen besser bezahlten Job zu suchen.

Ein anderes Hindernis auf unserem Weg könnte unsere anerzogene negative Haltung zum Geld sein. Jeder will es haben, aber die Beschäftigung damit gilt oft als moralisch fragwürdig. Erkunde deine Glaubenssätze zu diesem Thema und versuche, sie unvoreingenommen zu betrachten. Woher kommen sie? Wer bestimmt, nach welchen Grundsätzen du dich und andere bewertest? Werde dein eigener Herr, befreie dich von unsinnigen Einstellungen und unbegründeten Schuldgefühlen. Unabhängigkeit beginnt mit geistiger Unabhängigkeit. (Insbesondere ist passives Einkommen nichts unmoralisches. Pensionen und Versicherungen funktionieren so, und ohne Investoren gäbe es überhaupt keine Wirtschaft.)

Säule Nr. 2: Investieren

Zu diesem Thema wurde schon unendlich viel geschrieben, aber in Deutschland ist das Thema Aktien immer noch von einem Nebel aus Ignoranz umgeben. Nullzins auf Sparguthaben, Inflation und zu risikofreudige Banken können nur zu einer Schlussfolgerung führen: Unternehmensbeteiligungen sind eine der wenigen zukunftsträchtigen Anlagen. Ich will versuchen, das was mehr oder weniger Konsens ist, kurz zusammen zu fassen.

  • – Auf lange Sicht steigen Aktienmärkte.
  • – Wenn sie zwischendurch mal fallen, können wir gelassen bleiben und uns gegebenenfalls freuen, dass wir Aktien dann billiger bekommen.
  • – Investment in einzelne Aktien macht nicht nur für den Laien keinen Sinn. Die Erfahrung zeigt, es ist selbst für Profis schwer möglich, das Ergebnis des Gesamtmarktes zu schlagen.
  • – Aktiv gemanagte Investmentfonds können den Markt auf Dauer ebenso wenig schlagen und haben zu hohe Gebühren.
  • – Passive Index-ETFs sind die einfachste und preiswerteste Art in die Märkte zu investieren.
  • – Kaufe vor allem in Krisen, wenn die Kurse im Keller sind. Ansonsten versuche nicht, den richtigen Zeitpunkt zu finden, sondern investiere regelmäßig. (Timing macht keinen Sinn.)
  • – Achte auf die Höhe der Transaktionsgebühren. Bei kleineren Sparsummen ist es eventuell besser nur alle zwei oder drei Monate zu kaufen.
  • – Eine generelle Regel ist zu diversifizieren. Allerdings wird das bei immer mehr gegenseitiger Abhängigkeit der Märkte und nach den Erfahrungen der letzten Jahre etwas fragwürdig gewordenen Staatsanleihen immer schwieriger. Generell kommen aus meiner Sicht folgende ETFs bzw. Anlageklassen in Fragen: deutsche Aktien, europäische Aktien, weltweite Aktien oder vielleicht Aktien aus Schwellenländern sowie eventuell ein ETF auf inflationsgesicherte europäische Staatsanleihen.
  • – Meine ETF-Kriterien: thesaurierende Fonds, die also Gewinne und Dividenden automatisch wieder anlegen (das können die einfach effektiver und billiger als wir.) Auch müssen die ETFs replizierend sein, also wirklich direkt die entsprechenden Aktien halten. (Swap-basierte ETFs beruhen auf Finanzkontrakten zwischen Banken, und wir machen deshalb einen möglichst großen Bogen um sie.)

Wenn man speziell in dividendenstarke Unternehmen investieren will (was sicher mehr Einkommen, aber nicht unbedingt mehr Gesamtrendite bringt), gibt es für die meisten großen Indizees entsprechende ETFs. Von anderen Beschränkungen, wie auf bestimmte Branchen oder Aktientypen, würde ich absehen, da es keinen Grund gibt, warum diese dauerhaft höhere Gewinne abwerfen sollten. Glaube nicht an Stories, wo die Zukunft liegt, und lasse dich nicht von in der Vergangenheit erzielten Gewinnen beeindrucken.

Das einzig bedauerliche an unserer resultierenden Strategie ist, dass die regelmäßigen Divendengewinne daraus nicht so leicht sichtbar (und wahrscheinlich nicht so hoch) sind wie bei Jason und damit dieser Motivationsfaktor wegfällt. Dafür kommen wir gar nicht erst in Versuchung, diese auszugeben.

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